INFO

Einzelband – 15,90€ – Fischer Sauerländer Taschenbuch – PB – auch als eBook erhältlich – 400 Seiten – Young Adult – ISBN: 978-3-7335-0921-7 – ERSTERSCHEINUNG: 29.07.2026 – Übersetzung: Von Franziska Jaekel
Worum geht es?
Tilly Twomley sehnt sich verzweifelt nach Veränderung. Nachdem sie sich mit ihrem neurodivergenten Gehirn durch die Highschool gekämpft hat, fühlt sie sich nun bereit für einen Neuanfang. Ein Praktikum im Start-up ihrer perfekten älteren Schwester ist zwar nicht gerade das, was Tilly sich für ihren Sommer vorgestellt hat, aber die damit verbundene Reise durch Europa könnte eine Inspiration für ihre Zukunft sein. Das Problem ist nur, dass Tilly keine Ahnung hat, wie ihre Zukunft aussehen soll. Oliver Clark weiß genau, was er will. Aufgrund seines Autismus fällt es ihm oft schwer, Beziehungen zu anderen Menschen aufzubauen. Aber sein Spezialinteresse für Farbtheorie hilft ihm, soziale Schluchten zu überwinden. Außerdem hat er bereits einen Job in einer renommierten Design-Softwarefirma und davor ein Sommerpraktikum, um seinen Lebenslauf aufzubessern. Alles läuft nach Plan. Bis er den katastrophalsten internationalen Flug seines Lebens erlebt, dessen Turbulenzen alle von seiner lebhaften (genauer gesagt: nervtötenden) Sitznachbarin und Co-Praktikantin Tilly ausgehen …
Warum wollte ich es lesen?
Als autistische Leserin ziehen mich Bücher mit authentischer neurodivergenter Repräsentation besonders an, und eine Geschichte mit einem autistischen Hauptcharakter hat mich sofort neugierig gemacht.
Wie war es?
Cover:
Das Cover ist schön bunt und passt mit seinen Farben gut zu Oliver und seiner Liebe zur Farbtheorie. Es macht direkt Lust auf einen farbenfrohen Sommer.
Schreibstil:
Die Geschichte wird abwechselnd aus Tillys und Olivers Sicht erzählt, und das fand ich richtig gut gelöst. Tillys Kapitel lesen sich wie ein Gedankenstrom und spiegeln so ihr ADHS, während Olivers Kapitel klarer und geordneter sind und zu ihm als autistischer Figur passen. Allein durch diesen Wechsel bekommt man ein sehr gutes Gefühl dafür, wie unterschiedlich die beiden ticken.
Meine Meinung:
Das ist eine der wenigen RomComs, die mir wirklich gefallen hat und die mich auch tatsächlich zum Lachen gebracht hat. Für mich war das schon eine kleine Überraschung, weil ich mit dem Genre sonst oft fremdle. Schon der Einstieg mit dem völlig chaotischen Flug, bei dem zwischen Tilly und Oliver einfach alles schiefgeht, hat mich mitgenommen.
Am meisten bedeutet mir aber die Repräsentation. Als autistische Leserin habe ich mich in Oliver an so vielen Stellen wiedergefunden, dass es sich fast angefühlt hat, als würde mir jemand beim Lesen zunicken. Themen wie Masking, Stimming, sein Spezialinteresse für Farbtheorie oder Gefühle, die er nicht sofort einordnen kann, kommen ganz selbstverständlich vor. Berührt hat mich vor allem, wie Oliver etwas für Tilly zu empfinden beginnt, ohne die Worte dafür zu haben, und erst nach und nach versteht, dass es Liebe ist. Diesen Weg mit ihm zu gehen, war einfach schön. Man merkt, dass hier jemand aus eigener Erfahrung schreibt: Die Autorin hat selbst Autismus und ADHS, und genau diese Authentizität spürt man auf jeder Seite.
Auch Tillys Repräsentation gefällt mir sehr gut. Ich selbst habe kein ADHS, aber für mich war daran nichts ableistisch. Im Gegenteil, es wirkte respektvoll und aus dem Leben gegriffen. Das Buch zeigt durchaus ehrlich, wie sehr Tilly darunter leidet, dass vor allem ihre Mutter ihr ADHS wie ein Problem behandelt, das sie in den Griff bekommen müsste. Gerade deshalb fand ich es so stark, dass die Geschichte selbst Tilly nie so abwertet, sondern sie einfach sie selbst sein lässt. Schön ist außerdem, dass man beim Lesen wirklich einiges über Autismus und ADHS lernt, ohne dass es belehrend wirkt. Man kann das Buch also auch dann gut lesen, wenn man vorher keine Ahnung von der Thematik hat.
Die Liebesgeschichte selbst hat mich ebenfalls überzeugt. Tilly und Oliver sind erst wie Feuer und Wasser, und aus ihren anfänglichen Zusammenstößen wird langsam eine echte Verbindung. Mir hat gefallen, wie die beiden lernen, miteinander zu reden und das Beste im jeweils anderen hervorzuholen. Dass ausgerechnet die Farbtheorie zur heimlichen Liebessprache wird, etwa wenn Oliver den genauen Farbton von Tillys Sommersprossen bestimmen möchte, fand ich überraschend romantisch und einfach süß.
Und dann ist da noch Tillys Entwicklung, die ich vor allem zum Ende hin sehr stark fand. Es hat mir viel bedeutet, ihr dabei zuzusehen, wie sie zu sich findet, sich traut, für sich einzustehen, und auch die schwierigen Gespräche mit ihrer Mutter und ihrer Schwester angeht. Am Ende hatte ich das Gefühl, dass sie wirklich über sich hinausgewachsen ist.
Abschließend:
Tilly in Technicolor ist warmherzig, witzig und berührend, mit einer neurodivergenten Repräsentation, die sich echt und liebevoll anfühlt und mir als autistische Leserin viel gegeben hat.
Vielen lieben Dank an NetGalley und den Fischer Sauerländer Verlag für das Rezensionsexemplar!
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